FUFF - Freie Universität Frankfurt

 

 

Ziele:

 

- Die FUFF ist kein Gegenentwurf, sonder ein Komplementärmodell zur klassischen Universität. Sie funktioniert nur in diesem Zusammenhang, soll und kann nicht die etablierte Struktur ersetzen, sondern diese in Dimensionalität und Qualität erweitern.

- Dabei experimentiert sie aber bewusst mit dem Durchbrechen von Beschränkungen des etablierten Modells, um neue, 'andere' (aber dabei natürlich auch relevante) Formen und Resultate hervorzubringen.

 

 

Methode:

 

- Experimente mit 'Differenzen' zur klassischen Universität:

Die klassische Universität kennt viele Organisationsdetails, Regelungen, die notwendig erscheinen, ihren Massenbetrieb und Ausbildungsauftrag mit entsprechenden Qualitätsstandards zu organisieren.

Sie richtet sich dabei vor allem auch nach ihrem zugewiesenen Platz in einem einst so entworfenen Biographiemodell einer sukzessiven Ausbildungs- und Verwertungskette und damit vorwiegend an Menschen einer Altersgruppe zwischen Schule und Beruf.

Diese Regeln, Organisationsformen des Studiums, Standards, verhindern natürlich auch Möglichkeiten und Formen des 'Studierens' und des Erkenntnisgewinns.

Welches Potential sich hier verbirgt, wird nun in unserem Gedankenexperiment 'Freie Universität Frankfurt' erforscht.

 

 

Die 'Differenzen' als Ansatzpunkte für eine andere Universität:

 

1. Das korrespondierende Studium anstelle der Einordnung in sequentielle Lebensabschnitte

 

Die klassische Universität:

Die klassische Universität ist 'Forschung und Lehre' verpflichtet, hat als fest in einer Ablaufsequenz eingeordneten Ausbildungsstätte zwischen Schule und Beruf einen festen Platz und somit auch befestigte Aufgaben und Niveaus.

D.h. dass das 'Studium' eines spezifischen Themas zum erheblichen Teil aus einem schulischen Verhältnis von Lehrendem, Lernenden und Prüfung besteht. Eine Ausnahme bildet hier natürlich die Abschlussarbeit und gegebenenfalls die Promotion. Diese wiederum sind aber schon weitgehend Individualarbeiten.

 

Die Ablaufsequenz Schule-Hochschule-Beruf ist aber in einer heute viel dynamischeren Welt positioniert als noch vor 30, 50 oder 100 Jahren. Ein 'Abschluss' ist heute nicht allein Bescheinigung über erlangte Kenntnisse, sondern auch eine Bescheinigung über nicht erlangte Kenntnisse, bzw. über den veralteten Stand der Ausbildung. Wer will schon von einem Arzt behandelt werden, der auf dem Stand von 1970 ist? Wer will seine Kinder von einem Lehrer unterrichtet wissen in einer widerlegten oder überholten Grammatiktheorie? Man denke auch an die Welle absurder, teils existenzvernichtender Urteile von Gerichten im Zusammenhang mit dem Internet Ende der 90er Jahre, von Protagonisten, die noch nie einen Computer gesehen hatten. usw.

 

Bereits vor Dekaden betonten Politiker, dass ein Beruf zunehmend nicht mehr das ganze Leben ausgeübt wird. Das lässt eine langwierige Vorbereitung hierauf widersinnig erscheinen. Zumal sie teilweise praxisfremd ist. Gerade in geisteswissenschaftlichen Fächern aber nicht nur dort (man denke an Informatik) wird das Studierte in einer hohen Prozentquote niemals angewendet, ist wichtig nur für einen kleinen Teil der StudentInnen, welche aber wiederum von der Aufgabe die Masse auszubilden erfolgreich qualitativ eingebremst werden.

 

Die Signalwirkung: Schule, Studium, fertig gelernt, ist zudem ein Fatales. Der Hinweis auf Fortbildungsangebote zieht nur teilweise: zum einen sind diese häufig freiwillig (ein Widerspruch zur Schul- und Ausbildungspflicht für bestimmte Berufe). Zum anderen ist dies eben ein Angebot für praktische Berufe. Tätigkeiten in einem höheren Niveau sind aber besonders betroffen, wenn ihre Protagonisten den rasant dynamischen Fortschritt in den Wissenschaften, die die Weltvernetzung erbracht haben, nicht weiter studieren, sondern mal eben in einem Spiegel-Artikel durchlesen.

So brachte in einem kurzen Zeitraum der Anstoss der Optimalitätstheorie ein Meer an wissenschaftlichern Beiträgen und Forschungen, welcher sogar noch viel schnellere und wesentlichere Ergebnisse haben könnte, beschränkte er sich nicht auf die zur Zeit an Universitäten arbeitenden.

 

Zwar konstatierten Politiker wie Bundespräsidenten einen Wandel der Gesellschaft zur Flexibilität, doch faktisch manifestierte man die sequentielle Struktur noch mit Zwangsmassnahmen gegen Individualkarrieren:

 

Ein weiteres Problem ist somit die Verhinderung von Zweit- oder Langzeitstudenten durch Strafgebühren, eine generelle Ausrichtung auf Vollzeitstudien, und Studiengebühren an sich, die durch den zusätzlich erforderlichen Finanzierungsaufwand erhebliches an Motivation und Kraft für experimentelle Impulse absorbieren.

 

Diese Entscheidungen sind auch eine Folge einer hier sehr unglücklich einwirkenden Wahrnehmungsmetaphorik: Die Menschen als Einzelkämpfer im Konkurrenzwettbewerb. 

Forschung und Bildung wird nicht mehr als Investition der Gruppe in einen gemeinsamen Fortschritt gesehen. Der Benefit des Studiums ist nicht mehr das, was für das Gesamte als Fortschritt herauskommt sondern das, was beim Studierten später mehr auf dem Kontoauszug erscheint als beim einfachen Arbeiter. Bei dieser Sichtweise fragt sich natürlich der Finanzierende, warum da nicht der zukünftig Reiche selbst investieren soll. Folglich werden Metaphern wie Studienguthaben usw. aufgerufen, wird standardisiert, weiter verschult, wo individuelle, ungewöhnliche Karrieren oft eigentlich den meisten Fortschritt versprechen.

 

Die klassische Universität läuft also, zumindest was einige Fächer betrifft, den Anforderungsströmungen an fortgeschrittener Wissenschaft entgegen, scheitert hier aber auch am Spagat, gleichzeitig weiterführende Hochschule der Lehre in einem sequentiell angeordneten Lebensmuster sein zu müssen.

 

Die FUFF:

Beim FUFF Modell gibt es konsequenterweise also keinen Abschluss, er wäre ein Widerspruch in sich.

Es gibt somit auch keine Mechanismen, die versuchen, eine kürzere Studienzeit zu erzwingen, im Gegenteil, der fehlende Jahresstempel im Ausweis ist ein Manko, kein Plus.

Der Student an der FUFF studiert also korrespondierend mit seiner gegenwärtigen Lebenssituation.

Ein Nebeneffekt sind hier die zahlreichen Dialoge und Symbiosen mit der Praxis, die sich ergeben können, sowie Impulse aus der postuniversitären Forschung.

Da FUFF kein substituierendes, sondern ein komplementäres Modell ist, braucht sie auch nicht auszubilden. Demzufolge fällt die Unterscheidung zwischen Lehrenden und Lernenden weg, alle sind Studenten, denn alle studieren ein Feld ein Thema, oder Zusammenhänge.

 

 

2. Formen und Inhalte: Versammlungsform

 

kein Gebäude:

fuff beschäftigt sich mit dem denken

denken braucht keine mauern

die mobilität reflektiert die möglichkeiten der gedanken im 21. jahrhundert schnell und zahlreich zu reisen.

Die FUFF hat also kein eigenes Gebäude mit Hörsaal, etc.

 

kein fixer Ort:

Vernetzung und Kommunikation sind inzwischen mittels vieler verschiedener Medien möglich. Man ist nicht mehr darauf angewiesen, am selben Ort zu sein.

Dies wird aber dem jeweiligen Studienprojekt sinnvoll angepasst, mit allen möglichen Mischformen.

Es wird einfach nicht mehr festgelegt.

 

keine fixe Zeit:

wie alles ein Kann - kein Muss.

Eine Diskussion in Zeitlupe beispielsweise fördert andere Ergebnisse, man kann eine Replik ganz anders reflektieren, mit anderen vordiskutieren usw. Beiträge können aufgezeichnet und in einer Situation des Konzentrationshochs angeschaut werden. Alle Formen haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile und werden der Situation angemessen angewendet.

 

also: kein Zwang zur örtlichen Zentralität: dezentrale Seminare möglich

 

 

3. Formen und Inhalte: Studiengänge, Scheine, Abschlüsse

 

Studienform

Es gibt kein vorgefertigtes Studium, da FUFF ja keine Ausbildungsuniversität ist.

Es gibt also keine fixierten Studiengänge, sondern das Thema des Studierens wird von den Protagonisten selbst definiert, eigene definierte Studiengänge inspirieren metaphorisch neue Stossrichtungen.

(Möglichkeit der Organisation: Studentenausweis, 1 Veranstaltung / Jahr, Jahr wird eingetragen)

 

Seminare, Veranstaltungen:

 

Seminararbeiten, Scheine:

keine Einheitlichkeit der Scheine:

Ergebnisformen der individuellen Arbeit offen. Aus der eigenen Perspektive der kommunikativen Kompetenz versuchen die StudentInnen Sprachen und Kommunikationen der Analyse und Betrachtung zu finden, die über die konventionell in der Forschung angewandten hinausgehen: Musikstück, Kunstwerk, Thesenpapier, Diskussionsaufzeichnung Radio, Seminararbeit mit offenem Umfang und Textbild-Gestaltung, eine Programmierung, eine Lyrik. Wir wollen neue Erkenntnisse gewinnen, nicht eine vorgeschriebene Buchstabenmenge auf Papier aufarbeiten.

 

Abschluss:

Beim FUFF Modell gibt es konsequenterweise keinen Abschluss (siehe Abschnitt zum Korrespondenzstudium), sondern eine Sammlung von Arbeiten zu einem Thema zu einer bestimmten Zeit.

 

 

4. Formen und Inhalte: Domänen und Fachbereiche

 

keine abgetrennten Fachbereiche/Domänen:

Ausgangspunkte sind der selbst gewählte Studiengang, bzw. das Thema des Projekts (Seminars).

Aus jedem dieser ergeben sich normalerweise Studienfelder in diverse Fachbereiche/Domänen. Hier qualitative Techniken zu finden, Querverbindungen zu knüpfen und gerade diese mit interagierenden Impulsen zu beleben, ist eine der wichtigsten Experimentierfelder.

Dadurch dass ein Thema durch die Augen vieler Perspektiven betrachtet wird, können sehr komplexere und dynamische Implikationen entstehen.

Dazu gehört die Aufhebung der Idee der einen Wahrheit, des richtig und falsch.

 

 

5. Formen und Inhalte: der Student

 

der 1-Person-Student:

Ein Student muss nicht mehr als Individualist studieren. Es kann für ein Thema erforderlich sein, dass ein Cluster, eine kleine Gruppe, oder wie man es auch bezeichnen will, als Student an etwas arbeitet. Ein einfaches Beispiel sei hier die musikalische Analyse eines Themas durch eine komponierende Band genannt, oder das audiovisuelle Studium eines Themas durch eine Filmcrew.

Hier können Ergebnisse und Qualitäten erzielt werden, die über die unkoordinierte Summe von Einzelbeiträgen hinausgehen.

 

 

6. kein Alleinigkeitsanspruch

 

Korrespondenzstudium:

Da FUFF kein Gegen- sondern ein Komplementärmodell ist, studiert man also auch nicht hier oder da, sondern hier und da. Oder man arbeitet da und studiert hier. etc.

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